작품 상세
ROSSO, MEDARDO 1858 Turin - 1928 Milano San Francesco (after Donatello). 1892/1893. Bronze, dark-brown patinated. 27 x 17 x 20 cm. On dark red stone base.Rosso, Medardo 1858 Turin - 1928 Mailand San Francesco (nach Donatello) 1892/1893. Bronze, dunkelbraun patiniert. 27 x 17 x 20cm. Auf dunkelrotem Steinsockel. Wir danken Frau Paola Mola und Frau Birgit Brunk für die wissenschaftliche Unterstützung.Provenienz: Sammlung Henri Rouart, ParisAusstellungen:Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (MART), Trient 2004Galleria Civica d'Arte Moderne e Contemporanea di Torino (GAM), Turin 2004Literatur: Mola, Paola: Vergini fauni e senatori. Sui modelli per le copie dall'antico al Museo Rosso di Barzio, in: "Atti del convegno internazionale sulle gipsoteche", Fondazione Canova, Symposium Mai 2012, Treviso 2014, S. 259-286Ausst.-Kat. Medardo Rosso, le origini della scultura moderna, Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (MART) 2004, S. 183Lista, Giovanni: Medardo Rosso. Scultura e fotografia, Mailand 2003, Abb. 78-80Brunk, Birgit: Plstiken für Sehende. Der 'punto di vista unico', eine lebenslange Suche nach der Wahrheit, in: Ausst.-Kat. Medardo Rosso, Kunstmuseum Winterthur/Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg 2003/2004, S. 12-38Die vorliegende Bronze stammt aus der Sammlung Henri Rouarts, einer außergewöhnlichen Sammlerpersönlichkeit im späten Paris des 19. Jahrhunderts. Rouarts wirtschaftlicher Erfolg als Ingenieur und Unternehmer erlaubte es ihm nicht nur, sich selbst als Maler zu verwirklichen sondern auch, eine beachtliche Sammlung seiner Zeitgenossen zusammenzutragen. Von nahezu jedem bedeutenden Maler seiner Generation besaß er Gemälde und Zeichnungen: Gaugin, van Gogh, Cézanne, Degas, Monet , Renoir, Courbet, Corot - um nur einige zu nennen. Henri Rouart lernt Rosso im Jahr 1889 über den Galeristen Georges Thomas kennen und wird in den darauffolgenden Jahren zu einem wichtigen Mäzen Rossos. Er erwirbt nicht nur dessen Werke sondern stellt ihm auch Wohn- und Arbeitsraum zur Verfügung. Louis Rouart, der Sohn von Henri, beschreibt in seinen Erinnerungen, dass Henri Rouart den kranken Medardo Rosso 1889 im Pariser Hôpital Laborisière besucht habe, anschließend für ihn sorgen lies und ihm sein Fabrikgebäude am Boulevard Voltaire zur Verfügung stellte. Dort konnte Medardo Rosso ungestört arbeiten und Bronzen gießen. Vermutlich hat Rosso auch die Skulptur des Hl. Franz von Assisi im Atelier am Boulevard Voltaire eigenhändig gegossen. Das Abbild des Franz von Assisi nach Donatello gehört zu der Serie der sogenannten "pezzi di paragone", die Rosso überwiegend in den 1890er Jahren schuf. Im Sinne einer Selbstschulung des vergleichenden Betrachtens bildete er in dieser Werkgruppe zahlreiche berühmte Werke, von der Antike bis zum Barock, in unterschiedlichen Größen und Materialien nach, bzw. kombiniert sie teilweise mit eigenen Versatzstücken. Wichtig ist ihm dabei, die Vielfalt seines künstlerischen Formvokabulars zu beweisen, in dem er seine eigenen Formfindungen den "pezzi di paragone" gegenüberstellt. Die Qualität seiner Nachbildungen war so überzeugend, dass sogar das Victoria & Albert Museum in London im Jahre 1896 zwei Werke ankaufte. Die Motivation für diese Werkserie mag mannigfaltig gewesen sein: sicherlich schuf Rosso sie nicht nur, weil er Vergnügen daran hatte, sondern auch, weil er mit den "pezzi di paragone" seine außergewöhnlichen bildhauerischen Fähigkeiten und seine exzellente Gusstechnik unter Beweis stellen konnte und mit ihren Verkäufen seine eigene künstlerische Weiterentwicklung vorantreiben konnte.Die Auseinandersetzung mit den großen Meistern der Renaissance gehörte für Rosso und seine Zeitgenossen, die Scapigliati, zum kulturellen Klima ihrer Zeit. Die Pläne zur Rekonstruktion des Hauptaltars in der Grabkirche in Padua sowie die große Florentiner "Esposizione Donatelliani" im Jahr 1887 waren sicherlich der Auslöser für Rossos Nachbildung des Kopfes der Statue des Hl. Franz von Assisi. Das non finito, welches Donatellos Skulpturen laut Vasari "mehr skizziert als vollendet" erscheinen lässt, ist eine der unumstößlichen Grundfesten, die auch in Rossos plastischem Impressionismus von großer Bedeutung ist. Donatello und Rosso haben demnach mehr gemeinsam, als der erste Blick vermuten lässt
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