작품 상세

OTTO MÜLLER (1874 Liebau - 1930 Breslau) Auffindung des Moses, um 1920 Farblithografie. 28,8 x 39,2 cm. Exemplar 20/30. Hinter Glas im Passepartout gerahmt. Rechts unten in Blei signiert. WVZ: 150, FM-Nr. 20a, OM-Nr. 8. Provenienz: Privatbesitz Hessen Die Lithografie zeigt eine biblische Szene - die Auffindung des Moses -, die Otto Müller in seiner typisch weltlichen, fast archaisch anmutenden Weise interpretiert. Vier nackte Frauen, von denen nur eine mit Tuch umhüllt, gruppieren sich um das gerade aus dem Wasser geborgene Kind. Eine kauernde Frau im Vordergrund hält den Säugling behutsam an der Hand, während eine andere ihn schützend an ihren Leib drückt. Die Figuren tragen die für Müller charakteristischen Merkmale: überlange, schlanke Gliedmaßen, kantige, reduzierte Formen und maskenhafte Gesichter mit schmalen, mandelförmigen Augen. Der dichte Schilf umschließt die Gruppe wie ein natürliches Nest und schafft eine abgeschirmte, urtümliche Atmosphäre, die der Szene eine zeitlose, fast „primitive“ Qualität verleiht. Der Nil im Hintergrund, zusammen mit der erhobenen Geste der Frau links, ruft Assoziationen an altägyptische Priesterfiguren hervor. Ihre Hände sind in stiller Anbetung oder staunendem Erkennen erhoben, was die biblische Erzählung subtil in eine mythisch-archaische Sphäre rückt und die Szene mit einer rituellen, fast sakralen Tiefe auflädt. Insgesamt strahlt das Blatt eine tiefe Harmonie und Ruhe aus. Müller nutzt das religiöse Motiv vor allem als Vehikel, um sein Ideal vom Menschen in ursprünglichem Einklang mit der Natur zu gestalten - abstrahiert von historischen oder konfessionellen Bindungen und ganz auf eine zeitlose, elementare Menschlichkeit fokussiert.