작품 상세

VOLKER STELZMANN (geb. 1940 in Dresden, tätig in Berlin) Abbau des Kreuzes I, 1985/86 Mischtechnik auf Hartfaserplatte, 124 x 67 cm, gerahmt, rechts unten signiert und datiert (19)85/86, beschrieben H.M.F., rückseitig betitelt, nochmals signiert und datiert. Provenienz: Privatbesitz Sachsen Volker Stelzmann kam 1948 mit seiner Familie nach Leipzig. Nach einer Lehre zum Feinmechaniker besuchte er ab 1963 die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Ab 1973 lehrte er dort und erhielt 1973 eine Professur. In den 80ern flüchtete er nach Westberlin und war zwischenzeitlich als Gastprofessor an der Frankfurter Städelschule tätig, bevor er 1988 Professor an der Berliner Hochschule (Universität) der Künste wurde. Seit 2006 arbeitet er freischaffend in Berlin. In seinem Werk setzt sich Stelzmann ausgiebig mit der Neuen Sachlichkeit auseinander. Beeinflusst ist er in seinem Schaffen nicht nur von der Renaissance, den Manieristen und dem Barock, sondern auch von der Neuen Sachlichkeit. Er vereint diese Stile meisterhaft in der ihm völlig eigenen Manier. Immer wieder schaffte er christliche Motive und malte zahlreiche Porträts. Allen Themengebieten gemein ist, dass die menschliche Figur den Mittelpunkt seiner Arbeit bildet. Die komplexen, facettenreichen Geschichten, die seine Hauptakteure ausmachen, strahlen eine besondere Anziehungskraft aus, wobei der Malstil sachlich distanziert wirkt. Ausgiebig setzt Stelzmann sich in seinem Schaffen mit der christlichen Ethik und Moralvorstellungen auseinander. Dabei symbolisiert die Verwendung christlicher Motive für ihn auch ein Aufbegehren gegen die DDR Funktionäre. Allein die Zuwendung zu Themen der christlichen Ikonographie war bereits eine klare Stellungnahme gegen das, was die Funktionäre damals von den Künstlerinnen und Künstlern erwarteten. In "Abbau des Kreuzes" transportiert der Künstler eine biblische Szene mit dem Figurenpersonal in die Gegenwart: Alle Personen tragen zeitgenössische Kleidung, teilweise aber auch antike Gesichtszüge, wie etwa der Mann am äußeren linken Bildrand. Diese Aktualisierung historischer oder gar biblischer Vorbilder ist eines der wichtigsten Wesensmerkmale in Stelzmanns Kunst. Für ihn ist sie deswegen so maßgeblich, weil schließlich auch er in dieser heutigen, modernen Zeit lebe. "Die Hinwendung zu Themen mit weiter reichendem Radius, der ebenso weit in der Geschichte Zurückliegendes erfaßt wie unmittelbar Zeitgenössisches einbezieht, läßt deutlich werden, warum seit etwa 1978/79 Themen für Volker Stelzmann wichtig wurden, die in der christlichen Tradition des Abendlandes ihren Ursprung haben, vorrangig Themen der Passion Christi. Das, was hier einem Einzelnen widerfährt, ist nicht aktuell in dem Sinne einer Nachricht der Presseagenturen und es ist nicht wirklich in dem Sinne der Überprüfbarkeit durch Bilddokumente. Wohl aber ist es aktuell, wirklich und überprüfbar in dem Sinn, daß solches Geschehen Menschen zu allen Zeiten, in unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen, an vielen Orten immer auf's Neue widerfuhr, vom Anbeginn der Geschichte bis in unsere Tage und auch darin, daß Angriffe auf Integrität, Würde und Leben keinesfalls der Vergangenheit angehören, ebensowenig wie die Versuchungen der Macht, die zu solchen Übergriffen verlocken. Das was in der christlichen Legende noch überschaubar, klar und eindeutig war, erweist sich nach der Transponierung in die Gegenwart - wenn sie scheinbar nur ganz im Allgemeinen erfolgte - als unüberschaubar, unklar und nicht mehr eindeutig, weil sich die Rollen der Handelnden und der Erduldenden, der Schuldigen und ihrer Opfer als austauschbar erwiesen haben und weil der sich harmlos Gebende von Übel sein kann wie das schlimmste Wüten der Pest. Seine Passionsbilder also sind nicht zu fassen als ein Weggehen vom Heute. In ihnen finden Erkenntnisse, Erfahrungen, Enttäuschungen und auch Hoffnungen eines Zeitgenossen Ausdruck und Sprache, der sie groß in Bildern formuliert, um vielleicht anderen - den Betrachtern - hilfreich sein zu können in ihren Bedrängnissen und Ängsten und auch darum, ihre Kräfte zu stärken zur Überwindung dieser Lebensgeheimnisse. Nicht Resignation und Verzweiflung, vielmehr Hinwendung zu menschlichem Leben, das alles umfaßt; Freude und Leid, Leben und Sterben, Licht und Finsternis - das ist der Sinn seiner Bilder." (Behrends, Rainer: Stelzmanns Suche nach der Wahrheit, in: Volker Stelzmann 1967-1985 Werkverzeichnis der Gemälde und Grafik, Oberhausen 1985, S. 16). Der untere Teil des hochformatigen Gemäldes ist mit geschäftigen Menschen überfüllt, während der obere Teil vom schwarzen Gewitterhimmel dominiert wird. Verlängerte Gliedmaßen und expressive Gesten charakterisieren die Personen. Das Gemälde kann als Übersteigerung der Kreuzabnahme interpretiert werden, das Stelzmann in mehreren Versionen malte und das für ihn ein wichtiges Motiv ist. Christus ist in dieser vorliegenden Darstellung allerdings nicht mehr zu sehen. Leiter, Passionswerkzeuge und ein Balken - wahrscheinlich Teil des Kreuzes - erzählen die Geschichte der Kreuzabnahme in einer zeitlich fortgeschrittenen Variante.