작품 상세

VOLKER STELZMANN (1940 in Dresden, tätig in Berlin) Selbstporträt Sylvester, 1983 Mischtechnik auf Hartfaserplatte. 58,5 x 36 cm. Künstlerrahmen. Links oben monogrammiert, betitelt und datiert. Rückseitig signiert sowie Galerieetikett und Galeriestempel. Provenienz: Galerie Timm Gierig Frankfurt Volker Stelzmann kam 1948 mit seiner Familie nach Leipzig. Nach einer Lehre zum Feinmechaniker besuchte er ab 1963 die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Ab 1973 lehrte er dort und erhielt 1973 eine Professur. In den 80ern flüchtete er nach Westberlin und war zwischenzeitlich als Gastprofessor an der Frankfurter Städelschule tätig, bevor er 1988 Professor an der Berliner Hochschule (Universität) der Künste wurde. Seit 2006 arbeitet er freischaffend in Berlin. In seinem Werk setzt sich Stelzmann ausgiebig mit der Neuen Sachlichkeit auseinander. Sein Schaffen ist ebenso von der Renaissance, dem Manierismus und dem Barock geprägt wie von den nüchternen, gegenständlichen Tendenzen des 20. Jahrhunderts. Er vereint diese Stile meisterhaft in der ihm völlig eigenen Manier. Immer wieder schaffte er christliche Motive und malte zahlreiche Porträts. Allen Themengebieten gemein ist, dass die menschliche Figur den Mittelpunkt seiner Arbeit bildet. Die komplexen, facettenreichen Geschichten, die seine Hauptakteure ausmachen, strahlen eine besondere Anziehungskraft aus, wobei der Malstil sachlich distanziert wirkt. Ausgiebig setzt Stelzmann sich in seinem Schaffen mit der christlichen Ethik und Moralvorstellungen auseinander. Dabei symbolisiert die Verwendung christlicher Motive für ihn auch ein Aufbegehren gegen die DDR Funktionäre. Allein die Zuwendung zu Themen der christlichen Ikonographie war bereits eine klare Stellungnahme gegen das, was die Funktionäre damals von den Künstlerinnen und Künstlern erwarteten. Das Werk „Selbstporträt Sylvester“ aus dem Jahr 1983 zeigt den Künstler in halbfiguriger Darstellung vor einem dunklen, zurückhaltenden Hintergrund. Der Kopf ist leicht nach links gewandt, der Blick ruhig den Betrachter direkt anschauend. Eine Zigarette liegt im Mundwinkel und setzt einen beiläufigen, beinahe alltäglichen Akzent innerhalb der streng komponierten Darstellung. Das Gesicht ist plastisch modelliert und hebt sich deutlich vom dunkleren Umfeld ab. Es wird durch drei markante Parallelen strukturiert: eine verläuft über die Augenbrauen, eine entlang der Nase und die dritte folgt dem Verlauf des Schnurrbarts. Diese Linien vermitteln dem Betrachter ein Gefühl von Schwere, als stünde die dargestellte Figur den unvermeidlichen Kräften der Gravitation ebenso ausgeliefert gegenüber wie den Mächten des Schicksals. Das Porträt steht exemplarisch für Stelzmanns sachlich geprägte Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur. Die nüchterne, distanzierte Haltung vermeidet jede idealisierende Überhöhung und lenkt den Fokus auf Präsenz, Haltung und innere Spannung. Innerhalb seines Œuvres nehmen Selbst- und Figurenbildnisse eine zentrale Rolle ein und spiegeln sein kontinuierliches Interesse an der präzisen Beobachtung des Menschen.