작품 상세
ARNO RINK (1940 Schlotheim - 2017 Leipzig) Große Versuchung II, 2005 Öl auf Leinwand, 148 x 124 cm, gerahmt, unten~ signiert und datiert (20)05. Das vorliegende Gemälde hat Rink in mehreren Variationen gemalt. Er ist über den Zeitraum mehrerer Jahrzehnte immer wieder zum gleichen Thema zurückgekehrt, das Motiv der Großen Versuchung hat somit ebenfalls eine besonders wichtige Stellung in seinem Œuvre. Eine Version von „Große Versuchung“ aus dem Jahr 1980 ist Teil der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und befindet sich in der Galerie der Neuen Meister. Eine weitere Version von 1983 trägt den Titel „Versuchung II“ und befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig. Die vorliegende Arbeit ist in hervorragendem Zustand und stammt aus Privatbesitz. Über Rinks „Große Versuchung“ von 1980, die einen Großteil ihrer Merkmale mit dem Gemälde von 2005 teilt, schreibt Michael Triegel: „Für mich geben die Bilder Arno Rinks immer wieder Anlass, über den fluiden Begriff der Zeit nachzudenken. […] Der Künstler Rink stellt sich in diesem Gemälde mit seinem Handwerkszeug dem Pinsel in den Schnittpunkt polarer Gegensätze. Zwei Zitate verweisen auf Werke anderer, wohl vorbildhafter Künstler, auf das Gemälde „Heiliger Hieronymus“ von Georges de La Tour und die Fotografie eines weiblichen Aktes von Helmut Newton: Der vergeistigte greise Kirchenlehrer in seiner eremitenhaften Einsamkeit des Malers des 17. Jahrhunderts kontrastiert mit der prallen Sinnlichkeit und Kraft der sich ausstellenden und darbietenden Frau des großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, deren Schönheit im Jetzt wiederum durch die Totenfigur hinter ihr in Frage gestellt und der Vergänglichkeit überantwortet wird, in der Malerei aber Anspruch auf Dauer erheben kann. Sollte es der Anspruch der Malerei sein, den Augenblick verweilen zu lassen, dem Vergänglichen eine sich immer erneuernde Auferstehung zu sichern, spricht nicht die dem Selbstporträt Arno Rinks benachbarte Figur eines stürzenden Gekreuzigten eine andere Sprache? Ikonographisch wäre sie zuerst als Petrus zu lesen, der wohl in Nachfolge, allerdings nicht in Imitatio Christi gekreuzigt wird - kopfüber. Ist es aber bei Rink nicht Christus selbst, der als schon grau verwesender Körper in den Tod stürzt und nicht am aufgerichteten Kreuz über ihm triumphiert? Findet in der Auferstehung, an die der dargestellte Hieronymus glaubt, gar nicht statt? Ist damit die Hoffnung genommen oder besteht sie im Erleben des - auch erotischen - Moments? Die Stärke in der Kunst Arno Rinks […] scheint mir darin zu bestehen, dass sie keine Antworten aus der Höhe auktorialer Allwissenheit anbietet, sondern Fragen stellt. Es sind Fragen, Zweifel und Ängste des Künstlers, die auch die des Betrachters sind und die das Werk in der Zeit und für die Menschen Wirkung zeigen lassen. Die Zerrissenheit des Divergierenden wird in der „Großen Versuchung“ simultan dargestellt, die Gegensätze werden jedoch nicht durch Ausgleich nivelliert, sondern als Einheit aufgefasst, als eine Concordia discors, wie in den klassischen Tragödien, die lehren, dass menschliche Größe nicht allein in der Zerschlagung der Antagonismen bestehen muss, sondern in deren Ertragen liegen kann. ‚Und man ist dazu da, daß man’s ertrag. Und in dem 'Wie' da liegt der ganze Unterschied - ‘, so seufzt Hofmannsthals Feldmarschallin.“ (Triegel, Michael, in: Schwind, Karl (Hrsg.): Arno Rink. Malerei und Zeichnung, München 2015) Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen.
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