작품 상세

ANDREAS WACHTER (geb. 1951 in Chemnitz, tätig in Erlln bei Colditz) Altenburger Traditionen, 1985 zwei Gemälde Öl auf Leinwand, jeweils 280 x 140 cm, gerahmt, in der Darstellung monogrammiert und datiert (19)85. Restaurierter Zustand. Der 1951 in Chemnitz geborene Wachter absolvierte zunächst eine Lehre als Schrift- und Plakatmaler. Anschließend studierte er von 1974 bis 1980 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink und Volker Stelzmann. Er gilt als Vertreter der mittleren, Figur-zentrierten Generation der Leipziger Schule. Das Gemälde gehörte zur künstlerischen Ausgestaltung des Hotels „Zum Wenzel" (vor und nach der DDR „Europäischer Hof"), direkt gegenüber des Bahnhofs in Altenburg. Dort hing es im Foyer, wo die Figurengruppe ankommende Gäste begrüßte. Altenburg in Thüringen, Kreisstadt des Landkreises Altenburger Land, blickt auf eine lange, vielseitige Tradition zurück, die in diesem Gemälde künstlerisch aufbereitet wird. Die Stadt wird erstmals im Jahr 976 urkundlich erwähnt und war einst Residenzstadt. Altenburg und seine Geschichte werden im Wachter-Gemälde durch insgesamt dreizehn Personen dargestellt. Sie alle entstammen unterschiedlichen Epochen und repräsentieren somit mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte. Aufgrund der Erfindung des Skat-Blatts in Altenburg im Jahr 1810, wird sie auch die Skat-Stadt genannt. Dieser Teil Identität ist in der Skat-spielenden Gruppe symbolisiert, die einen Großteil der rechten Leinwand einnimmt. Sie besteht aus drei Männern, die unterschiedlichen Epochen und Generationen entstammen, womit die Zeitlosigkeit und Bedeutung des Spiels über zwei Jahrhunderte hinweg verdeutlicht wird. Im Hotel „Zum Wenzel" war das einzige Skatgericht Europas - das höchste Entscheidungsgremium im Skatsport - ansässig. Diese enge Verbindung zu dem weltberühmten Kartenspiel spiegelt sich auch im ehemaligen Namen des Hotels wider, handelt es sich beim Wenzel doch um ein Synonym für die Karte des Buben. Die Krone, die der Mann links im Vordergrund trägt, ist möglicherweise ein Hinweis auf Barbarossa oder die zahlreichen Adelsgeschlechter, die einst durch Altenburg flanierten. Barbarossa (Friedrich I) besuchte Altenburg vielfach. Nach seinem Rückschlag in Italien wurde Altenburg neben vier weiteren Städten zu einem der wichtigsten Orte staufischer Reichspolitik und erhielt den Beinamen Barbarossastadt. Staufer, Habsburger und Nassauer Könige sowie Kaiser, Herzöge und Burggrafen zogen über Jahrhunderte hinweg durch Altenburg. Am linken Rand blickt eine im Profil dargestellte Frau, in traditioneller Altenburger Bauerntracht gekleidet, aus dem Bild heraus. Sie trägt auf dem Kopf einen „Hormt", das ursprünglich aus vergoldetem Silber bestand und eine Art Brautkrone ist. Weiterhin typisch für die Frauentracht sind eine Vielzahl an gewebten Bändern aus Seide, die Wachter vermutlich hier in Form einer großen, Weiß auf Grün gepunkteten Schleife am Hals der Frauenfigur zeigt. Die Stadtsilhouette im Hintergrund ist nicht als das heutige Altenburg definierbar, doch auch hier werden unterschiedliche Epochen der architektonischen Stadtgeschichte malerisch vereint: Ein prominentes barockes Gebäude steht unweit eines Plattenbaus und eines Fabrikgebäudes, auch eine Kirchturmspitze ist zu erahnen. Weitere Persönlichkeiten sind nicht mit Sicherheit zu identifizieren. Altenburgs Bedeutung im Safran-Handel des 16. Jahrhunderts, als bedeutende gewerbetreibende Gemeinde mit zahlreichen Fabriken oder als Hochburg der Hutmachereikunst sind höchstens zu erahnen, nicht aber plakativ im Gemälde dargestellt. Meisterlich umspannt Wachter hier einen geschichtlich kaum überschaubaren Zeitraum, in dem Altenburg mannigfaltigen Einflüssen unterworfen war, sich politisch und gesellschaftlich immer wieder neu erfand und Traditionen etablierte, die bis heute fortleben.